Dass Fleisch immer noch am besten schmeckt

Was mir ausdrücklich nicht gefällt, ist, dass Fleisch am Ende immer noch am allerbesten schmeckt. Als ich heute Abend gegen sieben Uhr mit meiner einzigen Tochter, sie ist elf Jahre alt und verbringt die Hälfte der Woche bei mir, die andere bei ihrer Mutter, in den großen Supermarkt in meiner Straße ging, um einige Kleinigkeiten für’s Abendessen einzukaufen, war ich noch fest davon überzeugt, mit Kartoffeln, Öl und Eiern eine Tortilla Española zuzubereiten. Dies wäre auch so gekommen, hätte ich nicht nach dem letzten Dioxin-Skandal mein Konsumverhalten grundlegend geändert. Erstens esse ich Eier nur noch aus biologischer Landwirtschaft. Und zweitens bin ich Vegetarier. Jawohl, ich bin seit einigen Wochen Vegetarier, auch wenn es die meisten noch nicht gemerkt haben, denn ich halte nicht viel von pathetischen und hoffärtigen Gelübden, sondern gebe erst, wenn es nicht mehr anders geht, eher  verschämt zu, dass ich kein Fleisch mehr esse – oder wenig Fleisch, denn die Höflichkeit gebietet es bei Einladungen durchaus, ausnahmsweise doch den aufwändig zubereiteten und langsam bei niedriger Temperatur durchgesottenen Braten zu probieren, insbesondere wenn es Gans ist oder Ente, denn die geraten bei 60 Grad vier Stunden lang schonend erhitzt besonders gut, als Beilage empfiehlt sich Rotkraut mit Äpfeln und grüne Klöße – wie gesagt, ich esse keine Fleisch, weil ich mich körperlich damit einfach besser fühle. Diese Auskunft gebe ich, wenn ich gefragt werde. Aber das ist nicht die Wahrheit. Manchmal behaupte ich auch, aufgrund des Dioxin-Skandals zum Vegetarier geworden zu sein, es wird ja immer schwieriger zu wissen, was im Essen ist, und was nicht. Aber das stimmt auch nicht. Denn, die Wahrheit ist ,dass ich nur aus Karma-Gründen Vegetarier geworden bin, und ich erhoffe mir durch den Verzicht auf das Verspeisen von Mitwesen zusätzliche Punkte, die dann am Ende zählen für Wiedergeburten oder was auch immer kommt. Man weiß ja nie, was einem nach dem Tode alles angelastet wird. Ich bin also ein nicht radikaler Karma-Vegetarier, gebe dies aber nicht zu, sondern schiebe politische Gründe vor oder gesundheitliche. Aus all diesen Gründen jedenfalls verbot es sich mir heute, Fleisch zu kaufen. Eigentlich. Denn als ich am Eierstand in meinem Supermarkt feststellte, dass Eier aus biologischer Landwirtschaft restlos ausverkauft waren, und nur noch konventionelle Hühnereier, mutmaßlich randvoll mit krebserregendem Dioxin, auf leichtsinnige Käufer warteten, geriet ich in ein Dilemma. Tortilla Española ohne Eier, darüber möchte ich erst gar nicht anfangen nachzudenken. Meine Tochter wissentlich zu vergiften, geht auch nicht, gleichzeitig war ich mir aber meiner elterlichen Pflicht bewusst, ihr, die sie in einer intensiven Wachstumsphase ist, die ihr zustehenden Proteine zukommen zu lassen, weshalb ich sie der Einfachheit halber fragte, ob es auch Spaghetti sein könnten – eine Suggestivfrage, deren Antwort erwartungsgemäß  ja war – und ich dann noch fragte: welche Soße? Schweigen. Bolognese?? Meine Tochter nickte und ich ging quasi gezwungen durch die Umstände zur Fleischtheke  und kaufte 250 Gramm mageres Tartar. Das übrigens einen besonderen Geschmack entwickelt, wenn man es erst in einer Pfanne ohne Fett anbrät, nur eine Idee anbrennen lässt, dann Gemüsezwiebeln hinzugibt und Tomaten aus der Dose – ein Gedicht. Kurzum, ich musste eine Stunde später feststellen, dass Fleisch am Ende immer noch am besten schmeckt. Insbesondere, wenn man zwei Wochen lang keins gegessen hat.

So wird das jedenfalls nichts mit der Wiedergeburt und ich bin mir nicht sicher, ob die Karma-Polizei am Ende meines Lebens die hier aufgeführten Gründe als Entlastung akzeptiert. Ich täte es jedenfalls nicht und  betone deshalb, dass es mir ausdrücklich nicht gefällt, das Fleisch leider immer noch am besten schmeckt! Wenigstens habe ich kein Schwein gekauft.

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Dass man in Dresden nicht in die Frauenkirche gelassen wird

Was uns ausdrücklich nicht gefällt, ist, dass man in Dresden nicht einfach so mal in die Frauenkirche gehen kann. Letzten Sonntag, kurz nach 11, wir kamen gerade vom Bahnhof , und das Wetter war nicht gerade einladend, Null Grad und Sprühregen, waren alle Eingänge zur Frauenkirche fest verschlossen oder mit Barrieren abgesperrt. Nachdem wir um die ganze Kirche geirrt waren, empfahl uns eine einzelne Dresdnerin, eine ältere Dame, die die Prinzipien einfacher Gastfreundschaft noch nicht vergessen hatte, doch den Eingang D zu nehmen, der sei offen, obwohl eine Barriere davor anderes vermuten ließ. Dem war auch so. Als wir aber gerade ins Kirchenschiff schleichen wollten, mit allem nötigen Respekt, denn drinnen fand ja gerade ein Gottesdienst statt, lief eine Frau, an deren Namen ich mich trotz ihres Namensschildes nicht erinnere, auf uns zu, und verbot uns, das Kirchenschiff zu betreten, denn gerade fände ja ein Gottesdienst statt. Das wüsste ich, entgegnete ich, auch höre man den Chor sehr deutlich, trotzdem wolle ich rein. Nein, sagte die Frau, das gehe jetzt nicht, denn es finde ja ein Gottesdienst statt. Zugegebenermaßen etwas unwirsch verwies ich daraufhin auf meine Mitgliedschaft in der evangelisch-lutherischen Kirche, pochte also quasi auf mein Recht, das Gotteshaus zu betreten, wenn mir danach ist! Gut, schnarrte die Dame, aber nur oben, und schickte uns zwei Treppen nach oben auf die Empore, die aber auch teilweise geschlossen, war, oder voll besetzt, oder man sah überhaupt nichts, so dass wir uns nach wenigen Minuten schon zum Gehen gezwungen sahen – das war aber ein kurzer Gottesdienstbesuch, sagte die Frau mit dem Namensschild noch schnippisch, als wir die Kirche wieder verließen. Ab 12 Uhr 30, sagte sie, dürften wir rein. Als wir kurz vor vier ein zweites Mal versuchten, das Kirchenschiff zu betreten – immerhin wollte ich meiner Frau, die zum ersten Mal – ich hoffe, nach diesem Erlebnis nicht zum letzten Mal! – Dresden besuchte, die sensationell wiederaufgebaute Kirche auch von innen zeigen! – wies uns ein junger Mann mit Knopf im Ohr und deutlich russischem Akzent bereits auf der Treppe ab! Man schließe gerade, es ginge nur noch hinaus. Gleichzeitig aber strömten um uns herum Dutzende von Menschen in die Kirche hinein, nur wir – und ich weiß bis heute nicht, aufgrund welches äußeren Merkmals – wurden herausgesiebt und nicht hineingelassen, mit der Begründung, man schließe gerade. Die anderen um uns herum wollten nur mal kurz gucken. Das wollen wir auch! – empörte ich mich, aber der bullige Türsteher ließ sich nicht umstimmen. Durch Zufall sahen wir, dass eine Tür weiter, am Eingang E, ein paar einzelne Personen eingelassen wurden, wir schlüpften als letzte mit hinein – und mussten dort umgehend 8 Euro – acht! – pro Person bezahlen, um auf den Turm zu steigen. Dort angekommen ließ uns eine gewisse Frau Reinhard, dem Akzent nach zu urteilen ebenfalls aus Osteuropa, kaum mehr als vier bis fünf Minuten Zeit und drängte uns dann wieder, mit ihrem eigenen, in einen roten Regenmantel gequetschten Körper andere Wege abschneidend, die Treppe hinunter und raus – wo wir ein zweites Mal an diesem Tage aus der Frauenkirche hinausgeworfen uns im kalten Regen wiederfanden. Es wurde auch schon dunkel und ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich freiwillig keinen CENT für den Wiederaufbau der Frauenkirche gespende habe! Meinetwegen hätte sie auch gar nicht wieder aufgebaut werden müssen! Dann lieber noch so ein sozialistischer Kasten wie auf der Prager Straße!! Ich protestiere dagegen, dass man nicht einfach so in die Dresdner Frauenkirche gelassen wird! Und sollte das nicht geändert werden, dann ist es mir auch egal, denn ich werde es sicher nicht wieder versuchen!

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Dass ich meinem Vater immer ähnlicher werde.

Was mir ausdrücklich nicht gefällt, ist, dass ich meinem Vater immer ähnlicher werde. Damit meine ich nicht, dass ich schon klinge wie er, oder seine Marotten oder seine Lieblingsweinsorten übernommen habe, oder seine Angewohnheit, sich im Treppenhaus zu laut die Nase zu putzen. Nein, was mir ausdrücklich nicht gefällt, ist, dass ich meinem Vater im Gesicht immer ähnlicher werde. Dass ich beim Telefonieren wegen unserer Stimmähnlichkeit mit ihm verwechselt werde, daran habe ich mich gewöhnt. Aber dass ich seit einigen Jahren jeden Morgen, beim Blick in den Spiegel, mehr und mehr die Züge meines Vaters im Gesicht desjenigen erkenne, der mich da ansieht, das gefällt mir überhaupt nicht. Auch kann ich auf Bemerkungen meiner Familienmitglieder: Wenn Du lachst, siehst Du aus wie Opa – gut verzichten. Kurzum: Ich protestiere gegen den Umstand, dass ich meinem Vater immer ähnlicher werde und bestehe darauf, dass dies wieder geändert wird!

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